Wie könnte sich ein friedliches Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft von Atheisten, Christen, Moslems, religiösen Juden, etc. künftig gestalten?
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Nun, der türkische Gemüsehändler aus der Nachbarschaft, ein freundlicher und symphatischer Mann, trachtet mir bestimmt nicht nach dem Leben, obgleich der Koran alle Moslems dazu auffordert, Ungläubige zu töten. Auch dachte mein Vater gewiß nie daran, mich zu steinigen, obwohl er als Katholik eigentlich dazu berechtigt gewesen wäre, wenn ich wieder einmal ungehorsam gewesen war. Ferner kann ich mich nicht daran erinnern, jemals von einem Juden übervorteilt worden zu sein, obgleich der Talmud jenem vorschreibt Nichtjuden zu bestehlen, zu betrügen und gar zu versklaven. Aber vielleicht hatte ich Glück und hatte bislang nur mit atheistischen Juden zu tun. Wer weiß...

Man mag einwenden, die hinlänglich bekannten grausamen Zitate aus Bibel, Koran und Talmud wären aus dem Zusammenhang gerissen, außerdem wären diese religiösen Schriften mittlerweile schon viele Jahrhunderte alt und müssten daher heute anders interpretiert werden. Abgesehen davon enthielten die Religionsbücher auch viele positive Elmente, wie etwa die Nächstenliebe. Man dürfe eben nicht nur das Negative sehen, sondern müsse sich um eine differenziertere Betrachtungsweise bemühen.

Doch Bibel, Koran und Talmud enthalten klare, deutlich formulierte Aussagen, die nun einmal keine willkürliche Interpretation zulassen. ...und Dinge, die in eine anderen historischen Zusammenhang offensichtlich eine berechtigte Gültigkeit hatten, sollten etwa mit den heutigen Vorstellungen von Humanismus vereinbar sein? Wenn sich die religiösen Menschen nun wirklich von den unleugungsbaren Grausamkeiten ihrer Religionen glaubwürdig distanzieren wollten, warum schreiben sie dann ihre Religionsbücher nicht neu? Es wäre keine Schade zu sagen: "Wir haben Fehler gemacht, wir wollen daraus lernen und es in Zukunft besser machen."

Doch die Religionen und die dahinterstehenden Religionsgemeinschaften / Kirchen erheben den Anspruch auf Vollkommenheit, Unfehlbarkeit, da fällt es natürlich schwer eigene Fehler einzugestehen. Lediglich an der Basis des Kirchenvolkes gibt es einige wenige, die jene Arbeit geleistet haben. Doch weitaus größer ist die Zahl derer, die unter dem Eindruck der Sturheit ihrer klerikalen Obrigkeit resigniert haben und sich ganz von jener Institution und zum Teil auch von ihrem Glauben entfernt haben.

Vorraussetzung für die Toleranz durch die jeweils Andersdenkenden ist die gegenseitige Toleranz. Doch bleibt Toleranz ein reiner Selbstzweck, kann sie mehr Schaden anrichten als nutzen. Religiöse M Organisationen können in letzter Konsequenz nicht tolerant sein, da sie von der Wahnvorstellung befallen sind, den Rest der Menschheit mit ihrer jeweiligen Vorstellung zur Erreichung des Seelenheiles beglücken zu müssen. Zudem müßten die Religionen um tolerant sein zu können ihre Privilegien opfern, ohne die sie gar nicht existieren könnten - zumindest nicht in der heute gewohnten Form.

Eine gewisse Ausnahme macht hier nur die jüdische Relgionsgemeinschaft, doch leider sind dessen Motive nicht von edler Natur. Orthodoxe Juden lehen selbst die Aufnahme freiwilliger Konvertiten zum Judentum ab, obgleich sonst allen anderen Religionsgemeinschaften jedes Mittel recht ist, so viele neue Mitglieder wie möglich zu bekommen. Das Judentum soll hingegen ein relativ kleiner elitärer Kreis bleiben, der das Herrenmenschendenken pflegt.

Die Religionen haben es noch nicht so recht verkraftet, dass sie sich auch der öffentlichen Kritik stellen müssen. Der Islam reagiert mit Militanz bis hin zu Mordanschlägen auf Kritik, das Judentum versucht sich jeglicher Kritik mit dem Hinweis auf das durch die Nazis dem Judentum angetane Unrecht zu entziehen. Lediglich das Christentum hat eine gewisse Erfahrung mit dem Umgang mit Kritik. Doch sind militante Aktionen fanatischen christlichen Einzelkämpfern vorbehalten, da die christlichen Kirchen / Religionsgemeinschaften heute nun mal nicht mehr über die nötigen Machtmittel verfügen solche durchzuführen. Andernfalls gäbe es auch immer noch Scheiterhaufen.

Kurzfristig erzielbare Lösungen wird es nicht geben, da sich zur Zeit die nichtchristlichen Religionsgemeinschaften noch in der Anfangsphase ihres Zersetzunsprozesses befinden, der allerdings grundsätzlich nicht zu leugnen ist. Doch wir können nicht 200 Jahre abwarten, wenn es um die Lösung der aktuellen Probleme geht, wie sich ein friedliches Miteinander von Atheisten, Moslems, religiösen Juden etc. gestalten läßt.

Man käme diesem Ideal schon einen guten Schritt näher, wenn man die Religion außen vor lassen könnte. Bei Christen ist das meistens kein Problem, viele von ihnen haben ihre Religion privatisiert, weil sie sich nicht mehr mit den Machenschaften ihrer Kirchen identifizieren können. Die grosse Masse der Christen nimmt ihre Religion heute selbst nicht mehr ernst. Die organsierte Kirche versucht ihre Existenz mit ihrem vermeintlichen Engagement im sozialen Bereich zu rechtfertigen, weniger über die Religion, und verliert damit völlig ihre Glaubwürdigkeit. Auch die Juden sind heute mehrheilich säkular bis atheistisch eingestellt. Doch leider gewinnen die religiös radikalen Kräfte sowohl im Juden- als auch im Christentum immer stärkeren Auftrieb - sicherlich um der gegenwärtigen Untergangsstimung der jeweiligen Religion entgegen wirken zu wollen. Sie produzieren besonders viele Kinder, die sie dann in ihrem Sinne religiös indoktrinieren, und stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Ideologien jeglicher Couleur werden in ihrer Endphase besonders gefährlich. Wer weiß, dass er nichts mehr zu verlieren hat, der kann und wird sich alles leisten, was man am Beispiel des Nationalsozialismus am besten nachvollziehen kann.

Doch sehen heute viele in dem aufkommenden christlich jüdischen Fanatismus die vielleicht letzte Chance, die drohende Islamisierung Europas noch aufhalten zu können - als ob es Sinn machen würde die Pest mit Cholera bekämpfen. zu wollen.

Die Grundvorraussetzungen für ein friedlicher Zusammenleben von Christen, Moslems, religiösen Juden und säkularen Menschen sind also denkbar schlecht. Wer Toleranz für sich fordert, der muss sich so verhalten, dass er tolerierbar ist. Diese Bedingung erfüllen bislang nur Atheisten und ein noch zu kleiner Teil der christlichen und jüdischen Basis, Moslems aber durchweg nicht.

Aber nicht nur die Religionen bieten ein reiches Konfliktpotential, wirtschaftliche Zwänge sind in der Praxis noch gravierender. Vor 40 Jahren erzählte man uns gebetsmühlenartig jeden Tag "Die Ausländer nehmen uns keine Arbeit weg, die machen nur die Drecksarbeit, die die Einheimischen ohnehin nicht machen wollen." Doch diese Zeiten sind längst vorbei, mittlerweile gibt es neben der überproportional hohen Zahl von Beziehern staatlicher Sozialleistungen auch erfolgreiche türkische Rechtsanwälte, Geschäftsleute, Ärzte etc.. Die in der Regel recht zahlereichen Kinder der Einwanderer bekommen eine immer bessere Schulausbildung, so dass sich diese Tendenz in Zukunft noch verstärken wird.

Hier ist nun das Problem. Wir können keine ungebildeten Einwanderer gebrauchen, die nur der Allgemeinheit auf der Tasche liegen, aber andererseits auch nicht astronomisch viele qualifizierte besser verdienende, denn damit wird die Arbeitslosigkeit der Einheimischen erhöht. Der Konkurrenzdruck um die besseren Posten wird weiter steigen, was auf beiden Seiten das Konfliktpotential erhöhen wird. Die Grenzen des Wirtschaftswachstum sind längst erreicht oder werden in Kürze erreicht sein, so dass eine Steigerung des Bedarfs an qualifizierten Personen nicht zu erwarten ist.

Gern wird auf in diesem Zusammenhang auf positive Beispiele gelungener Integration in der Vergangenheit hingewiesen, wie etwa im 17. Jahrhundert die Einwanderung von Hugenotten, die wegen ihres protestantischen Glaubens in Frankreich verfolgt wurden, nach Preußen, oder die Einwanderng von Polen und Iren in das Ruhrgebiet gegen Ende des 19. Jahrunhderts. Doch diese Einwanderer waren ein positiver Gewinn für Deutschland, dass sich zu jener Zeit in einer ökonomischen Wachstumsphase befand und dringend auf einfache Arbeitskräfte aus Polen und Fachleute aus Irland bzw. Frankreich angewiesen war. Doch die Zeiten haben sich nun einmal grundlegend geändert...

(Nicht nur) zur Lösung des Problems der Beseitigung der Arbeitslosigkeit werden wir in letzter Konsequenz nicht auf eine deutliche Reduzierung der in- und ausländischen Bevölkerung nicht verzichten können.

Ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und auch Lebensauffassung wird dann kaum noch möglich sein, da man in seinen Mitmenschen in erster Line Konkurrenten um knappe Ausbildungs- und Arbeitsplätze, staatliche Sozialleistungen und Renten sehen muss - ...und so muss man das sehen, weil es nun einmal so ist.

Um dem erfolgversprechend entgegenwirken zu können, wäre es zunächst einmal wichtig, diese Tatsachen offen und ehrlich auszusprechen. Es bringt nun einmal nichts, tatsächlich vorhandene Mißstände ständig nur zu beschönigen oder gar die Diskussion darüber zu tabuisieren. Dann darf man sich anschließend nicht auch noch darüber beschweren, dass Rechtsradikale diese Situation für ihre Zwecke ausnutzen.

Einwanderung muss immer für alle Beteiligten Vorteile bringen, sowohl für die Einwanderer als auch für die Bevölkerung des Einwanderungslandes. An dieser Vorgabe muss sich eine vernünftige Einwanderungspolitik orientieren, wie sie etwa von den klassischen Einwanderungsländern Kanada, USA und Australien betrieben wird. Eine vernünftige Lösung des Problems wäre also durchaus möglich, jedoch fehlt dafür hierzulande der Wille aller Beteiligten. Hoffentlich wird es nicht eines Tages zu spät für ein Einsehen sein. Die Zeche dafür wird wieder einmal der "kleine Mann" zahlen müssen...

 
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