Migranten in der Bundesrepublik Deutschland

 

ERFAHRUNGSBERICHTE

Welche Motive kann es für Menschen geben, ausgerechnet in die Bundesrepublik Deutschland einwandern zu wollen? Es gibt zunächst einmal eine Menge Gründe, ein anderes Land zu wählen. Deutsch ist keine Weltsprache, kaum ein Ausländer hat Deutsch in der Schule gelernt. Außerdem ist die deutsche Sprache nicht unbedingt leicht erlernbar. Die BR Deutschland ist ein kleines Land, die Entfaltungsmöglichkeiten sind eingegrenzt. Auch in der großen Weltpolitik spielt die BR Deutschland keine besondere Rolle.

Doch gilt die BR Deutschland immer noch als wirtschaftlich starkes und reiches Land, auch wenn das Wirtschaftswunder der 1950ger Jahre schon lange Geschichte ist. Liegt es vielleicht daran, dass die BR Deutschland wegen ihrer geschichtlichen Schuldkomplexe durch das Dritte Reich besonders großzügig Einwanderer aufnimmt und ihnen Sozialleistungen gewährt wie kaum ein anderes Land? Bestimmt ist die soziale Sicherheit wichtig, doch die meisten Einwanderer wollen arbeiten und sind sogar fleißiger als die Deutschen. Welcher Deutscher macht schon eine Pommesbude auf?

Im Laufe der Zeit hatte ich Kontakt zu Einwanderern aus der Türkei, Syrien, Togo, Thailand und auch aus den USA. Personen aus anderen EU Staaten möchte ich nicht zum Bereich der ausländischen Einwanderer zählen. Auch die Ossis sollen in dieser Betrachtung außen vor bleiben.

Zunächst muß man sehen, dass nur die allerwenigsten Menschen freiwillig ihre alte Heimat verlassen. Sie versprechen sich von ihrer Auswanderung ein Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Aber was wissen die Migranten über uns, dass sie der BR Deutschland das alles zutrauen? Welches Deutschlandbild wird im Ausland vermittelt?


Die Dame aus Thailand glaubte, Deutschland wäre ein Schlaraffenland, hier wäre wirklich jeder reich. Sie wollte einen Frührentner heiraten und wünschte sich zur Hochzeit einen großen Geländewagen, der mindestens 20 l Benzin verbraucht, dazu noch ein schönes Haus. Doch die Realität der 63 m² Sozialwohnung in Wanne - Eickel verschreckte die wirklich attraktive junge Frau. Wenn sie Pech hatte, ist sie später im Bordell gelandet. Wir haben nie wieder etwas von ihr gehört.


Den Mann aus Togo lernte ich in einem afrikanischen Lebensmittelgeschäft kennen. Er arbeitete damals als Wagenpfleger an einer Tankstelle, jetzt ist er arbeitslos und arbeitet nebenbei ein bißchen schwarz. Obgleich er erst 23 Jahre alt ist, ist seine Frau jetzt schon mit dem vierten Kind schwanger, seine alten Nachbarn hatten ihn nach der Geburt des dritten Kindes aus seiner alten Wohnung herausgeekelt. Jetzt lebt die Familie irgendwo in einer größeren aber recht abgewirtschafteten Altbauwohnung und vom reichlichen Kindergeld. Ein Nachbar meinte, die Afrikaner rächten sich durch ihr Verhalten für das, was ihnen die Europäer früher in der Kolonialzeit angetan haben. Doch wird diese schwarze Familie hier eine Zukunft haben? Wohl kaum.


 

 

 

 

NEWROZ -
Das kurdische Neujahrsfest

Feier in Herne 2006

 

Die meisten Kontakte hatte ich jedoch zu Kurden, die überwiegend aus Syrien stammten. Zunächst betrachteten sie mich recht distanziert, weil einige von ihnen dachten, ich wäre Jude (wer weiß warum). Doch ich sagte, dass ich Atheist sei und mit dem Judentum nichts zu tun hätte. Ferner klärte ich die Kurden darüber auf, die meisten Deutschen wären Atheisten oder zumindest wäre ihnen Religion gleichgültig. Wenn die Kurden hier leben wollten, dann müßten sie sich mit dieser Situation arrangieren.
Nun, die Kurden aus meinem Bekanntenkreis waren zwar Moslems, allerdings keine Hardliner. Die Frauen trugen in der Regel keine Kopftücher und waren - nach meinem Eindruck - emanzipiert. Hin und wieder aß der ein oder andere von ihnen auch mal ein Stück Schweinefleisch. Uns einte zunächst das Interesse für Musik, Film, Theater und Kunst allgemein.
Ich teilte den Kurden von Anfang an meine Einstellung zu ihrer Religion mit. "Ihr dürft Moscheen bauen und innerhalb der Grenzen der Religionsfreiheit eure Religion ausüben, aber ihr dürft keine Vorrechte dafür verlangen, sonst ist unsere Freundschaft beendet." Die Kurden hatten durchaus dafür Verständnis, sie sind für das jetzige Versagen der islamischen Kirche nicht verantwortlich, obgleich sie darunter zu leiden haben. Auch waren die Kurden durchaus zugänglich für die Forderung nach Geburtenkontrolle. Schade, dass dieses gute Verhältnis durch die islamische Kirche zerstört worden ist, aber mir sind meine Grundüberzeugungen wichtiger als private Freundschaften, wichtiger gar als meine Familie.
Es überraschte mich sehr, wie wenig die Kurden über Europa im Allgemeinen und über Deutschland im Besonderen gewußt haben. Im Geographieunterricht in der Schule hätten sie nur die arabischen Länder durchgenommen, allenfalls im Französischunterricht etwas über Frankreich erfahren, aber das war höchstens auch nur eine Stunde in der Woche. In diesem Zusammenhang muß ich betonen, dass ich hier über Menschen spreche, die eine nach unseren Maßstäben akademische Berufsausbildung absolviert haben. Nun kann man sich vorstellen, was die Mehrzahl der normal gebildeten Leute über uns weiß. So gut wie gar nichts. Eine Welt außerhalb Arabiens scheint für die dortige Obrigkeit nicht zu existieren.
Nach Deutschland sind die Kurden wohl nur deshalb gekommen, weil das besonders einfach ist. Selbst Leute, die schon seit mehr als zehn Jahren hier waren, sprachen nur gebrochen deutsch. Ein echtes Interesse an ihrem neuen Heimatland und am Kennenlernen der westlichen Kultur besteht nicht. Auch intern gibt es eine Menge Probleme. Zu Veranstaltungen der Kurden kam kein einziger Türke, geschweige denn ein Deutscher, und umgekehrt. Die Kurden etablierten, ähnlich wie die Türken, eine eigene Parallelgesellschaft, nach außen weitgehend abgeschottet, da eigentlich weder auf Seiten der Kurden noch auf den Gegenseiten ein echtes Interesse an Kontakten besteht.
Nach Ansicht der Kurden wäre es das beste, sie bekämen in ihrer ursprünglichen Heimat - das Kurdengebiet umfaßt Teile der Türkei, Syriens, Irans, Iraks und der ehemaligen Sowjetunion - einen eigenen Staat, wo sie dann in Ruhe und Frieden leben könnten. Die Kurden sind in der Tat sehr patriotisch, auf allen Veranstaltungen war die kurdische Fahne mit der aufgehenden Sonne zu sehen. Viele ihrer Kinder wollen arabisch lernen, was sehr sinnvoll ist, denn niemand weiß, wie lange das hier noch gut gehen wird.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Cliché Deutsche

 

Für den Mormenenpfarrer aus dem erzkonservativen Utah war die Übersiedlung in die Bundesrepublik ein echter Kulturschock. Er hatte sich das alles doch ein bißchen anders vorgestellt. Deutschland ist bekannt als Land mit jahrhundertelanger christlicher Geschichte, das Land von Martin Luther, der die Welt veränderte. Selbst in den kleinsten Dörfern gibt es große, prächtige Kirchen, die allesamt gut gepflegt sind. Doch der schöne Schein trügt, denn die Kirchen werden nur noch vom Staat am Leben gehalten und haben in der Bevölkerung keinen nachhaltigen Rückhalt mehr. Ich riet dem Pfarrer nicht aufzugeben, die alten Volkskirchen hätten abgewirtschaftet, aber eine Minderheit der Deutschen würde sich immer noch für Religion interessieren. Das wäre die Chance für seine Kirche...
Das Leben in Europa sei viel freier als in den reaktionären USA, meinte unsere Englischlehrerin von der Volkshochschule, die aus Michigan stammt. Sie hatte in verschiedenen europäischen Ländern gelebt und fühlt sich bei uns wohl. Sicherlich stört sie sich auch an typisch deutschen Eigenheiten, wie etwa der "Flurwoche". Aber das kann man wohl noch verkraften...
Das Interesse der Amerikaner an Europa sei wohl gering, was vielleicht sogar ein gutes Zeichen ist, denn das deutsch amerikanische Verhältnis war ja nicht immer konfliktfrei. Die Verfolgungen von Deutschen in Nordamerika während des ersten Weltkriegs bleibt ignorierte Vergangenheit. Städte mit deutschen Namen wurden damals in der Regel umbenannt, während viele Nazi - Begriffe in den amerikanischen Wortschatz eingegangen sind und sich großer Beliebtheit erfreuen. So ist etwa "GESTAPO" ein beliebtes Schimpfwort für die Polizei.

 

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