Kinder, Religion und Kirche
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Religiöse Kindererziehung kann in den Kinder unkontrollbiere Ängste und Qualen auslösen, da Kinder noch nicht in der Lage sind zwischen Glaubens- und Tatsachen zu unterscheiden. Daher ist eine religionsneutrale Erziehung notwendig, damit sich die Kinder zu gegebener Zeit frei für oder gegen die Religion entscheiden können.

 

<<< aus meinem Religionsheft der katholischen Volksschule St. Marien in Wanne - Eickel, 1963/4


Viele Eltern, Onkel und andere Verwandte reagieren leider sehr verstört, wenn sie von ihren Kindern angesprochen werden: "Sag´ mal, wie ist das denn eigentlich mit dem lieben Gott?" In der Regel bekommen die Kinder dann entweder gar keine, oder ausweichende und unzureichende Antworten. Nun, vertrauensvolle und ehrliche Gespräche mit Kindern über Religion sind so wichtig wie die sexuelle Aufklärung der Kinder.
Dieses Thema möchte ich zur Vereinfachung in einem kleinen Rollenspiel abhandeln, ein fiktives Gespräch, welches ein Vater mit seinem Sohn führt. (Es könnte natürlich gleichermaßen eine Tochter oder eine Mutter sein, aber machen wir es nicht zu kompliziert).

Sohn
Pappa, hast mal einen Moment Zeit? Ich möchte mal gerne mit dir über den lieben Gott sprechen.

Vater
Oh, dass ist ein sehr umfangreiches Thema. Heute bin ich wirklich zu müde dafür, ich mußte den ganzen Tag arbeiten. Aber nächste Woche habe ich Urlaub und mehr Zeit. Wie wäre es mit Dienstag Abend?

Sohn
Oh ja prima, in Ordnung

AM NÄCHSTEN DIENSTAG ABEND

Sohn
Ich bin erstaunt, dass du mit mir tatsächlich über Religion sprechen willst.

Vater
Warum denn nicht?

Sohn
Der Andreas aus der Schule sagte, keiner wolle mit ihm darüber sprechen... Warum eigentlich nicht?

Vater
Die Leute machen das auch oft nicht gerne. Es ist ihnen unangenehm und vielleicht haben sie auch Angst über so etwas zu sprechen.

Sohn
Warum haben die denn Angst?

Vater
...weil sie selbst verunsichert sind.

Sohn
Du machst mich jetzt noch neugieriger. Warum sind sie denn verunsichert?

Vater
Weil jeder etwas anderes sagt, und dann weiß keiner mehr so recht ob und woran er glauben soll. Frage mal unterschiedliche Menschen nach ihren Glauben. Jeder wird der etwas anderes erzählen.

Sohn
Das ist mir auch schon komisch vorgekommen. Einige in meiner Klasse sind katholisch, andere sind evangelisch, dann gibt es noch ein paar Moslems, einen Juden und welche, die keiner Religion angehören.

Vater
Die letzten lassen wir erst mal beiseite. Aber die religiösen Menschen haben sehr unterschiedliche Auffassungen von ihrem Gottesglauben.

Sohn
...aber es kann doch nur eine Auffassung in Wirklichkeit richtig sein.

Vater
Sicher. Ich wollte das damals herausfinden. Deshalb habe ich mich damit beschäftigt. Als erstes fiel mir dabei auf, dass nur Menschen eine Religion haben können, aber nicht Tiere.

Sohn
Interessante Frage, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Warum haben denn Tiere keine Religion?

Vater
Weil Tiere nicht intelligent genug sind, um Fragen zu stellen. Fragen über Vorgänge in der Natur, warum gibt es Erdbeben, Gewitter, Überschwemmungen, Dürrekathastrophen etc.. Aber auch Fragen, was dereinst sein wird, wenn man erst mal tot ist.

Sohn
Dafür haben wir ja die Naturwissenschaften, die das alles erklären. Zwar ist das nicht alles perfekt, was die Wissenschaftler sagen, aber sie haben immerhin oft zufriedenstellende Theorien.

Vater
Nun, in der ersten Zeit, als sich die ersten Menschen langsam von ihren nächsten Verwandten im Tierreich, den Affen, trennten, gab es natürlich noch keine Naturwissenschaftler, die so was vernünftig hätten erklären konnten. Deshalb schufen sich die Menschen "Gott". Alles, was man auf vernünftige Weise nicht erklären konnte, war von da an "Gott".

Sohn
Wenn es nur das ist. Dann wäre Gott ja nichts schlimmes.

Vater
Grundsätzlich nicht. Aber es gibt natürlich immer Menschen, die noch ein bißchen schlauer sind als der Durchschnitt. Jene haben erkannt, dass die "Götter", die die Erde beben lassen oder Blitz und Donner krachen lassen konnten, sehr stark und mächtig sein müssen. Daher haben jene schlauen Menschen beschlossen, die Macht und Kraft der "Götter" für ihre miesen irdischen Zwecke zu mißbrauchen. Es entstanden die Kirchen, die organisierte Religiösität. Kirche und Staat waren bis vor etwa 200 Jahren ein und dasselbe.

Sohn
Stimmt. Die Kirchen sagen, sie vertreten Gott auf der Erde. Aber sind denn die Kirchen etwas grundsätzlich schlechtes? Fußballfans haben ja auch ihre Vereine.

Vater
Nehmen wir mal ein einfaches Beispiel. Du willst, dass dir dein Freund Tobi jeden Monat 5,-- EUR zahlt.

Sohn
Warum sollte er denn das bloß machen?

Vater
Nun,, wenn du von ihm Geld haben willst, mußt du ihm dafür Gegenleistungen versprechen, um Beispiel, dass du allle 14 Tage sein Fahrrad putzt.

Sohn.
Bääh. Dann soll er die 5,-- EUR lieber behalten.

Vater
Siehst du, aber die Kirche macht das geschickter. Sie verspricht dem Tobi für sein Geld Leistungen, deren Einhaltung er nicht überprüfen kann, weil er alle versprochenen Wohltaten erst nach seinem Tode bekommt: Ewiges Leben, Einkehr ins Paradies etc..

Sohn
Stimmt. Wenn er tot ist, kann er sich ja nicht mehr beschweren. ...aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass er mir so was glauben würde, wenn ich ihm es verspreche.

Vater
Richtig. ...und deshalb müssen wir die Leute aufklären.

Sohn
Was macht die Kirche, wenn die Leute nicht mehr an ein Leben nach dem Tode im Himmel glauben wollen?

Vater
Sicherheitshalber droht die Kirche Ungläubigen noch mit Hölle und Fegefeuer.

Sohn
Moment mal. Das wäre ja so, als wenn ich zu Tobi sagen würde: "Zahl´ mir jeden Monat 5,-- EUR, oder ich haue dir in die Fresse."

Vater
Der Vergleich ist richtig. Das wäre eine Erpessung.

Sohn
Aber so was ist doch nicht erlaubt. Dann würde aber die Polizei kommen, und ich käme vors Jugendgericht.

Vater
Richtig. Es ist ein Unterschied, ob ein normaler Bürger Straftaten begeht oder die Kirche.

Sohn
Die Kirche darf das?!

Vater
Ja, die Kirche hat besondere Rechte. Sie darf unbehelligt Ordnungswidrigkeiten und Straftaten begehen, angefangen vom noch harmlosen Glockengeläut...

Sohn
....richtig. Ich darf das nicht. Neulich hat sich jemand beschwert, weil mein Walkman in der Straßenbahn zu laut war. Aber die Kirche kann so viel Krach machen, wie sie will.

Vater
...bis hin zu schweren Körperverletzungen, zum Beispiel Beschneidungen.

Sohn
Hmm. Nicht gerade angenehm, wenn man beschnitten wird.

Vater
...und die Kirche darf jeden mit Hölle und Teufel drohen, so viel sie will.

Sohn
Na, und wenn schon, aber daran glaubt doch heute sowieso keiner mehr.

Vater
Zum Glück.

Sohn
Aber was soll denn die Kirche machen, wenn sich die Leute nicht mehr so leicht erpressen lassen, weil sie ohnehin nicht mehr an Hölle und Teufel glauben?

Vater
Es gibt da auch noch eine andere hochwirksame Methode. Man kann den Menschen falsche Schuldgefühle einreden, wenn sie nicht zahlen.

Sohn
Auch so, du meinst, weil Jesus für uns Menschen sein Leben geopfert hat.

Vater
...angeblich für uns geopfert hat.

Solm
Selbst wenn, das sind jetzt schon 2000 Jahre her. Warum soll man dafür heute immer noch zahlen?

Vater
Die Kirche hat natürlich selbst bemerkt, dass diese Begründung ein bißchen schwach ist. Deshalb engagiert sie sich schon seit Jahrhunderten im sozialem Bereich.

Sohn
Ach so, Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser, dritte Welt. Diese Arbeit ist natürlich notwendig, aber das zahlt die Kirche doch ohnehin nicht selbst. Das habe ich jedenfalls schon oft gehört.

Vater
Richtig, die Kirche läßt sich ihre Wohltätigkeit von anderen bezahlen und macht damit für sich selbst Reklame.

Sohn
Bleiben wir mal bei unserem Bespiel. Nehmen wir an, ich würde jetzt Tobi sagen, mit den 5,-- EUR, die ich von ihm verlange. würde er damit hungerde Kinder in Afrika retten.

Vater
Richtig, und wenn er nicht zahlt, hätte er Schuld am Tod dieser Kinder.

Sohn
Wahrscheinlich würde er dann zahlen.

Vater
...und von seinen 5,-- EUR schickst du dann 50 Cents tatsächlich nach Afrika und kaufst dir von den restlichen 4,50 EUR Süßigkeiten und Comichefte. Ob die Kinder da verhungern, kann dir ja schließlich egal sein.

Sohn
Das wäre aber eine Sauerei! So was kann man doch nicht machen!

Vater
Die Kirche macht das aber so. Sie gibt höchstens zehn Prozent ihrer Einnahmen für soziale Zwecke aus.

Sohn
Warum zahlen denn dann die Leute überhaupt noch Geld an die Kirche?

Vater
Weil es der Kirche immer noch gelingt, die Menschen zu verdummen. Sie beherrscht große Medienkonzerne, Zeitungen, Fersehen, Internet und so weiter. Die Kirche gibt jedes Jahr Milliarden EUR für Propaganda aus..

Sohn
Warum macht denn der Staat das mit?

Vater
Weil die Kirche natürlich mit ihrem Geld auch den Staat unter Druck setzt, ihr weiterhin Geld zu zahlen. Sie spielt die politischen Parteien gegeneinander aus, macht auch mit den meisten Diktatoren gemeinsame Sache.

Sohn
So wie bei Adolf Hitler?

Vater
So ähnlich. Der Kirche geht es immer nur um ihren eigenen Nutzen.

Sohn
Muß man aber vielleicht auch verstehen. Wenn die Kirche nicht mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hätten, wären vielleicht die Kommunisten drangekommen, und dann wäre es der Kirche an den Kragen gegangen.

Vater
Die Kirche hatte keine wirkliche Angst vor den Kommunisten. Wenn die Kirche durch die Kommunisten verfolgt worden wäre, hätte die Kirche damit vom Mitleidseffekt profitiert. Unter dem Strich hätte das der Kirche nur genutzt und den Kommunisten nur geschadet, die ohnehin fast die ganze Welt gegen sich hatten.

Sohn
Du bist also nicht dafür, die Kirche zu verbieten?

Vater
Auf keinen Fall! Aber es müssen klare Grenzen gesetzt sein, was bei der Religionsausbüng erlaubt ist und was nicht. Die Kirche darf keinerlei Privilegien mehr haben Vor allem muß es eine Trennung zwischen Staat und Kirche geben. Der Staat darf die Religionausübung nicht finanzieren.

Sohn
Aber könnte denn die Kirche dann unter diesen Bedingungen überhaupt noch bestehen bleiben?

Vater
In der jetzigen Form nicht, die alten Staatskirchen müssen weg. Aber kleinere Kirchen, wie etwa die evangelischen freikirchlichen Gemeinden oder Zeugen Jehovas, die wird es noch weiterhin geben.

Sohn
Warum eigentlich? Wenn die Religion doch Unfug ist?

Vater
Die meisten Menschen lassen sich nicht nur vom Verstand leiten, sondern auch von Gefühlen. Es gibt viele Menschen, die eine Religion brauchen.

Sohn
Auch wenn das Unfug ist?

Vater
Ja, auch dann.

Sohn
Das verstehe ich nicht.

Vater
Nehmen wir ein Beispiel. Der Junge von unserem Nachbarn raucht Haschisch. Kannst du verstehen, warum er das macht?

Sohn
Wenn man es vernünftig betrachtet, eigentlich nicht. Rauschgifte sind gesundheitsschädlich und machen einen Menschen abhängig.

Vater
Das weiß der Junge selbst auch, so dumm ist er nicht, aber er macht das trotzdem. Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen nicht immer vernunftbetont handeln.

Sohn
Nun, wenigstens ist Religion nicht gesundhheitsschädlich.

Vater
Normalerweise nicht. Aber Religion führt auch zur geistigen Abhängigkeit des Menschen, wirkt also ähnlich wie eine Droge. Es gibt auch Menschen, die nehmen Drogen ein oder fügen sich absichtlich körperliche Schmerzen zu, um in religiöse Ekstase zu kommen.

Sohn
Das habe ich schon mal im Fernsehen gesehen. Das machen Eingeborene, oder so.

Vater
Auch das Weihrauch, das die katholische Kirche verwendet, enthält drogenähnliche Substanzen.

Sohn
Dann ist der Unterschied zwischen dem Christentum und den alten Religionen wohl gar nicht so groß?

Vater
Der Unterschied ist schon sehr groß. Die Eingeborenen versuchten nicht, den Rest der Menschheit mit ihrer Religion zu missionieren. Außerdem lebten sie in Einklang mit der Natur. Die Indiander kümmerten sich sogar schon um künstliche Geburtenkontrolle. In Europa war das zu der Zeit ein schlimmes Verbrechen.

Sohn
Du meinst also, die außereuropäischen Religionen sind humaner?

Vater
Zumeist ja. ...weil hierbei die Religion im Vordergrund steht und nicht die machtbesessene Kirche.

Sohn
Also, wenn ich das jetzt zusammenfasse, das Problem ist eigentlich nicht die Religion, sondern die dazugehörende Kirche.

Vater
Richtig. Religion ist Privatangelegenheit, aber die Kirche nicht, solange sie sich von der Allgemeinheit aushalten läßt und Vorrechte für sich beansprucht.

Sohn
Was kann man da machen? Die Politiker haben ja versagt, egal ob es Demokraten oder Diktatoren sind. Außerdem müßten sie ja offen zugeben, dass sie in der Vergangenheit Fehler gemacht haben, die jetzt zu korrigieren sind.

Vater
Wir brauchen basisdemokratische Bürgerrechtsbewegungen weltweit.

Sohn
So was ähnliches wie in der 68ger Zeit?

Vater
Ja, in etwa.

Sohn
Aber die hatten doch auch keine Chance.

Vater
Im Kleinem haben sie schon zu Veränderungen geführt, insgesamt ist die Gesellschaft dadurch freier geworden.

Sohn
Aber das ist jetzt auch schon 40 Jahre her.

Vater
Richtig, und daher besteht Handlungsbedarf. Wir müssen schnell handeln. Jedes Jahr wächst die Erdbevölkerung um 75 Millionen Menschen. Wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen, ist die Menschheit schon bald am Ende. Das wissen die Kirchen natürlich auch, aber trotzdem verbieten sie auch weiterhin die Geburtenkontrolle.

Sohn
Du willst doch wohl nicht damit sagen, die Kirchen wollen absichtlich den Untergang der Menschheit, weil sie selbst nicht mehr überleben können?!

Vater
Das Verhalten der Kirchen läßt zumindest diesen Verdacht aufkommen. Auf jeden Fall will aber die Kirche viele schwache Menschen haben, denn die sind nun mal empfänglicher für ihre Religion. Es wäre nicht im Interesse der Kirche, wenn alle im Wohlstand leben würden.

Sohn
Aber was soll man denn machen? Die Politiker tun nichts, und eine richtige Bürgerrechtsbewegung...? Na, ob die wohl Erfolg haben kann? Wer weiß...

Vater
Du darfst die Justiz nicht vergessen. Da die Kirchen ständig gegen diverse Gesetze vestoßen, kann man da schon was machen.

Sohn
Aber die Kirche hat doch mit Sicherheit auch die Justiz unterwandert?

Vater
Sicher, wen denn nicht? Solche Prozesse werden auch am ehesten in Amerika gewonnen, unser Rechtssystem gibt das nicht her.

Sohn
Amerika ist weit weg.

Vater
Was gut ist, wird sich durchsetzen, egal ob es aus Amerika oder Europa oder sonst woher stammt. Aber einer muß den Anfang machen.

Sohn
Hmm. Aber glaubst du, die Kirche würde sich so etwas gefallen lassen? Sie würde sich doch mit allen Mitteln wehren!

Vater
Deshalb ist es erforderlich, alle Aktivitäten öffentlich zu machen. Wenn sich die Kirche dagegen wehrt - vor allem mit illegalen Mitteln - stellt sie sich damit selbst an den Pranger.

Sohn
Ich möchte jetzt eigentlich nicht in der Haut der Kirchen stecken.

Vater
Falsches Mitleid wäre da fehl am Platze. Die Kirchen haben seit Jahrhunderten ihre Chance vertan, sich zu bessern.

Sohn
Du bist also optimistisch für die Zukunft?

Vater
Ja, aber wir müssen etwas dafür tun!

 
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